Unter dem Titel „Kryptowährung oder das Ende von: Nur Bares ist Wahres“ lud die Junge Wirtschaft Wien in Kooperation mit dem Kurier am 9. Oktober zum Business Breakfast. Im Haus der Wiener Wirtschaft klärten ExpertInnen die zahlreichen Besucher über Chancen und Gefahren der digitalen Zahlungsmöglichkeit auf und gaben einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.

Kryptowährung – kaum ein Thema wurde in den vergangenen Monaten und Jahren dermaßen kontrovers diskutiert. Für einige liegt im digitalen Zahlungsmittel die Zukunft, andere sehen in Bitcoins und Co. aufgrund fehlender Transparenz und starker Kursschwankungen eine Gefahr für den Finanzmarkt. Nun nahm sich auch die Junge Wirtschaft Wien (JWW) dem Thema an und lud in Kooperation mit dem Kurier unter dem Titel „Kryptowährung oder das Ende von: Nur Bares ist Wahres“ am 9. Oktober zum Business Breakfast in das Haus der Wiener Wirtschaft. Der Einladung folgten zahlreiche BesucherInnen, die sich die Podiumsdiskussion rund um die ExpertInnen Jasmin Schierer (Head of Marketing, Salamantex), Jakob Hackel (WU-Mitarbeiter am Forschungsinstitut für Kryptoökonomie), Alexander Valtingojer (CEO Coinpanion) und Dr. Beat Weber (Österreichische Nationalbank) nicht entgehen lassen wollten. Erfreut über die hochkarätige ExpertInnen-Runde zeigte sich Gastgeberin und JWW-Vorsitzende Barbara Havel, die zu Beginn das Publikum begrüßte und zugleich in einem kurzen Impulsvortrag auf die Wichtigkeit des Themas hinwies:

„Kryptowährungen sind mehr als nur ein Trend. Allerdings sind sie starken Kursschwankungen ausgesetzt und nicht reguliert. Wir sind sehr gespannt, inwieweit UnternehmerInnen von der digitalen Zahlungsmöglichkeit profitieren könnten.“

 

 

„Starkes Bedürfnis nach Bargeld“

Als Diskussionsleiter fungierte Robert Kleedorfer, der zunächst die Frage nach der Relevanz von Kryptowährungen in den Raum stellte. Für den ÖNB-Ökonom Beat Weber sind Kryptowährungen lediglich ein „Nischenphänomen“. „Laut einer Studie haben 90 Prozent der ÖsterreicherInnen nach wie vor ein starkes Bedürfnis nach Bargeld. Das ist ein absoluter Spitzenwert im europäischen Vergleich“, so Weber, der auch den vermeintlichen Grund für das Verhalten ausmachte: „Die Wertstabilität des Euros ist für die Kunden nach wie vor am wichtigsten.“ Bargeld scheint damit noch lange nicht abgeschafft, wie auch Kryptoökonom Jakob Hackel betont:

„Kryptowährungen sind eine Reaktion auf die Digitalisierung und können vielmehr als Alternative für Zahlungsmethoden wie PayPal gesehen werden und weniger als Ablöse für Bargeld.“

 

 

Unabhängigkeit von Banken

Somit scheinen Kryptowährungen dem Bargeld in naher Zukunft nicht den Rang abzulaufen, doch worin liegen dann die Chancen des digitalen Zahlungsmittels? „Kryptowährungen, insbesondere Blockchains, könnten eine echte Alternative für internationale Transaktionen darstellen und Transparenz herstellen“, erklärte Alexander Valtingojer, CEO des Krypto-Traders Coinpanion. Einen weiteren Vorteil nannte Jasmin Schierer, Head of Marketing des Krypto-Bezahlsystem-Händlers Salamantex:

„Kryptowährungen sind für Menschen interessant, die sich gerne unabhängig von Banken um ihre Geldangelegenheiten kümmern möchten. Außerdem nehmen sie eine Vorreiterrolle ein und erhalten so ein First Mover-Gefühl.“ Laut Schierer ist die Bereitstellung von Krypto-Bezahlmöglichkeiten für UnternehmerInnen vor allem aus marketingtechnischer Sicht interessant.

 

Fehlende Regulatoren und technische Komplexität

Doch worin lauern nun die vielmals zitierten Gefahren der digitalen Zahlungsmöglichkeiten? Für Weber sind diese praktisch nicht vorhanden. „Prinzipiell geht von Nischenprodukten, noch dazu mit solch geringem Volumen, keine Systemgefahr aus. Aber für einzelne Menschen, die mit Kryptowährung spekulieren, ist die Gefahr eines finanziellen Verlustes aufgrund der Kursschwankungen natürlich gegeben.“ Weniger gefährlich als vielmehr schwierig sei laut Hackel die Nutzung von Kryptowährung: „Da die Technologie noch sehr kompliziert ist, scheint eine einfache Nutzung für technisch wenig versierte Menschen praktisch unmöglich.“ Valtingojer und Schierer wünschen sich indes eine stärkere Regulierung:

„Insgesamt gibt es einfach noch zu wenig Regulatoren. Ein gemeinsamer rechtlicher Rahmen für Europa wäre sehr wichtig, da das die Zusammenarbeit erleichtern und zusätzliche Transparenz schaffen würde.“

Keine Währung, sondern Spekulationsobjekt

Einig zeigte sich die ExpertInnen-Runde, was die derzeitige Rolle von Kryptowährungen betrifft. Mit ihrem Charakter sind Bitcoins und Co. vorrangig als Spekulationsobjekt für Privatpersonen zu sehen, UnternehmerInnen können das Traden von Kryptowährung zum aktuellen Zeitpunkt vor allem aus marketingtechnischer Sicht nutzen. Um beim Veranstaltungstitel zu bleiben: Bares scheint auch zukünftig das Wahre zu sein, denn Kryptowährung stellen für die ExpertInnen keine Alternative zu Bargeld dar.