Die letzten beiden Jahre waren für alle eine große Herausforderung. Zahlreiche Krankenstände, laufend wechselnde Vorgaben und Maßnahmen sowie schwierige Entscheidungen, welche zeitnah getroffen werden mussten, standen an der Tagesordnung.

Speziell auch für Führungskräfte wie Gruppen-, oder Abteilungsleiter, ManagerInnen der höheren Führungsebene (COO, CFO, etc.), aber auch für GeschäftsführerInnen waren die letzten Jahre voll mit Themen der Covid 19-Pandemie. Ein besonderes Augenmerk galt daher dem Bereich des „Decision Makings“. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es einfach ist, Entscheidungen zu treffen, wenn man dafür nicht die ganze Verantwortung tragen muss.

Als hauptverantwortliche Führungskraft sieht die Situation aber anders aus. Für jede Entscheidung und jedes Handeln trägt man die volle Verantwortung. „Gute“ Entscheidungen werden zur Kenntnis genommen. „Schlechte“ Entscheidung muss man lange Zeit ausbaden und versuchen, wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Dies erhöht automatisch den psychischen Druck auf die Führungsriege. Die Zeit zum Überlegen, ob und welche Konsequenzen Entscheidungen haben, hat sich deutlich verkürzt. Dies hat sich einerseits aus der vermehrten Notwendigkeit der schnellen Entscheidungsfindung aufgrund der Pandemie und andererseits aus der entstandenen Möglichkeit der Online-Meetings ergeben. Virtuell durchgeführte Meetings werden uns wohl auch nach der Pandemie durch den Berufsalltag begleiten.

 

Meetings – Wie?

Natürlich gibt es Meetings, bei denen eine physische Anwesenheit auch in Zukunft notwendig und sinnvoll erscheint. Es ist zum Beispiel äußerst schwierig, bei wichtigen Bewerbungsgesprächen das Auftreten und die Körpersprache der KandidatInnen zu beurteilen, was aber für gewisse Positionen von Bedeutung ist. Auch sind Vertragsverhandlungen aufgrund von fehlender Körpersprache und Mimik bei Videokonferenzen schwer durchführbar. Board Sitzungen oder Gruppenbesprechungen, welche in regelmäßigen Abständen abgehalten werden, können auch in Zukunft über Online-Formate ohne größere Probleme durchgeführt werden. Neben dem praktischen Ansatz von Videokonferenzen (Ortsunabhängigkeit, unbegrenzte Anzahl an TeilnehmerInnnen, etc.), steckt auch ein wirtschaftlicher Aspekt dahinter. Die zahlreichen Dienstreisen, welche sowohl finanzielle als auch zeitliche Ressourcen verbrauchen, werden in Zukunft in deutlich geringerem Ausmaß stattfinden.

Die bei Dienstreisen „verbrauchte“ Zeit am Bahnhof, am Flughafen oder im Auto, kann somit aktiv für das Unternehmen verwendet werden. Was hier aber positiv für das Unternehmen zu sein scheint, sollte aber auch kritisch betrachtet werden. Aus eigenen Erfahrungen weiß man, dass vor allem bei Dienstreisen berufliche Netzwerke aufgebaut, Kontakte geknüpft und Verträge besprochen werden. Da dies aufgrund der Pandemie und der daraus resultierenden Folgen (z. B. Meetings in Form von Videokonferenzen) wegfällt, könnte sich dies sowohl personell (fehlende Nachfrage von kompetenten MitarbeiterInnen für freie Stellen aufgrund fehlender Netzwerke) als auch wirtschaftlich (fehlende Folgeaufträge) negativ auf den eigenen Betrieb auswirken. So ist es auch bei diesem Thema eine schwierige Aufgabe für Führungskräfte, eine „passende“ Entscheidung zu treffen und eine zufriedenstellende Lösung zu finden.

 

Die passende Entscheidung?

Das Ausbleiben von sogenannten Face 2 Face-Meetings, die Möglichkeit der schnellen und einfachen Online Meetings und die pandemiebedingten laufenden Änderungen der Infektionssituation und der Maßnahmen, haben den Entscheidungsprozess deutlich verändert. Umso wichtiger ist es, Zweitmeinungen einzuholen und getroffene Entscheidungen in regelmäßigen Abständen zu evaluieren. Für eine gute Führungskraft ist es auch essenziell, andere Meinungen zu hören, diese zuzulassen und getroffene Entscheidungen im Bedarfsfall wieder zu ändern. Um im Entscheidungsprozess erfolgreich zu sein, solltest du dein Unternehmen und deine MitarbeiterInnen kennen.

Der optimale Einsatz der MitarbeiterInnen (setz dein Personal da ein, wo es am besten aufgehoben ist) wird diese motivieren, in Problemsituationen auch gleich eine adäquate Lösung zu präsentieren. Sei aber vorsichtig! Ein Sprichwort sagt „gut gemeint ist nicht gut gemacht.“ MitarbeiterInnen, die dir eine Lösung präsentieren, haben sehr oft nur die Möglichkeit, ihr eigenes Themengebiet und Umfeld zu kennen (vor allem in größeren Betrieben), und damit auch nur die Übersicht, die passende Lösung für den eigenen Bereich zu finden. Was aber für den einen Bereich im Unternehmen positiv ist, kann sich in einem anderen Bereich negativ auswirken. Als Führungskraft musst du den Überblick über das große Ganze behalten. Nimm dir als Leader die notwendige Zeit, sämtliche Lösungsvorschläge zu prüfen, entscheide objektiv und kommuniziere die Entscheidungen offen in deinem Team.

 

Fazit

Entscheidungen zu treffen, zählt zu den Kernaufgaben einer Führungskraft. Umso weiter man die Führungsleiter nach oben klettert, desto schwieriger und konsequenzenreicher werden die Entscheidungen. Nimm dir Zeit für deine Entscheidungen, bleib zu jeder Zeit fokussiert und konzentriert, und vor allem kenne deine persönlichen Grenzen. Wenn du Verantwortung an dein Team überträgst, deine MitarbeiterInnen in den Entscheidungsfindungsprozess miteinbeziehst, kann der Teamspirit aufrecht gehalten werden. Deine MitarbeiterInnen werden es dir und somit auch dem Unternehmen danken.

 

Autor: Florian Trummer
© Andrey Popov/AdobeStock

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