Die industrielle Revolution hat im 19. Jahrhundert den Startschuss zur Massenproduktion von Gütern und Waren gegeben. Aktuell befinden wir uns wieder in einer Umbruchsphase: Technologie und Digitalisierung setzen neue wirtschaftliche Maßstäbe und schaffen außerdem Jobs, die es so vorher nicht gegeben hat.

Die Digitalisierung hatte in den vergangenen 20 Jahren maßgeblichen Einfluss auf die Wirtschaft als Ganzes, auf das Konsumverhalten der Bevölkerung und auf die Bedürfnisse der Konsumenten. Die Veränderungen gegenüber der Wirtschaft des 20. Jahrhunderts sind so stark, dass mittlerweile zwischen „Old Business“ und „New Business“ unterschieden wird. Business-Strategien, die vor 20 Jahren funktioniert haben, kommen heute kaum noch zum Einsatz und müssen durch neue Strategien ersetzt werden, und zwar in allen Bereichen.

Die wichtigsten Veränderungen auf einen Blick:

  • Moderne Unternehmensführung zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass die Mitarbeiter tatsächlich geführt werden, um eigenständig die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Das Top-down-Management, bei dem Entscheidungen von oben herab diktiert wurden, ist hingegen ein typisches Merkmal des Old Business.
  • Wirtschaftliche Ausrichtungen von Unternehmen basieren im New Business häufig auf gesammelten, fundierten Daten, persönliche Einschätzungen treten hingegen in den Hintergrund.
  • Die technologische Entwicklung erfordert immer flexiblere und situationsbezogenere Unternehmensplanungen, präzise Wirtschaftsprognosen sind nur kaum oder schwer zu treffen.
  • Veränderungen und Neuerungen fließen im New Business permanent in die Entscheidungsfindung ein, dadurch sind radikale Veränderungen nicht notwendig und auch nicht erwünscht.
  • Die Unternehmen des 21. Jahrhunderts erkennen die Chancen von Digitalisierung und verwenden dieses Potenzial für die Erschließung neuer Geschäftsfelder und die Steigerung der eigenen unternehmerischen Performance.
  • Die verbesserte Zusammenarbeit zwischen einzelnen Abteilungen und Teams steht viel stärker im Fokus.

Neue technologische Errungenschaften dienten schon seit jeher dazu, Unternehmen voranzubringen. Der Unterschied zwischen Old Business und New Business besteht vielmehr darin, dass Gründern in der heutigen Zeit mit der Digitalisierung eine Vielzahl bislang nicht dagewesener Möglichkeiten zur Optimierung und Effizienzsteigerung zur Verfügung stehen.

Das Alte wird jedoch nicht vollständig abgelöst, sondern durch Neues ergänzt und optimiert. So kann sich keine Branche dem technologischen Wandel vollends entziehen, vielmehr variieren der Einsatz und die Investition in Technologien. Teilweise entwickeln sich Traditionsunternehmen weiter und schaffen sich ihre eigene Nische, in der sie gut bestehen können. Bestimmte Branchen wie z.B. die Automobilbranche kommen allerdings nicht umhin, die technologischen Veränderungen für sich zu adaptieren. Andernfalls können sie den Kundenbedürfnissen nicht mehr gerecht werden. Wer sich nicht anpasst oder keine Nische findet, kann irgendwann nicht mehr Schritt halten und bleibt auf der Strecke. Das gilt vor allem für traditionelle Branchen wie die Autoindustrie, die Stahlindustrie, aber auch für Manufakturen oder die Landwirtschaft

DIE REISE GEHT ERST LOS

Es ist davon auszugehen, dass die Reise noch lange nicht zu Ende ist. Kryptowährungen werden über kurz oder lang als Zahlungsmittel selbstverständlich sein, wie sich überhaupt das bargeldlose Zahlen langfristig durchsetzen wird. Das Old Business der haptischen Währung in Form von Geldscheinen wird heute schon langsam, aber sicher zurückgedrängt – Zahlungsapps und Bankomatkarten machen’s möglich. In Schweden etwa werden nur noch 19 Prozent aller Bezahlvorgänge mit Bargeld abgewickelt. Bis das Bargeld komplett verschwunden ist und durch das New  Business des bargeldlosen Bezahlens ersetzt wurde, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Denn Bargeld vermittelt den Menschen nach wie vor ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle, während elektronische Zahlungsmittel wie z. B. bestimmte Apps noch nicht flächendeckend verfügbar bzw. stabil genug sind. Das Vertrauen in solche Zahlungsmittel ist in der Gesellschaft ebenfalls noch nicht fest verankert. Als adäquate Alternative zum Bargeld sind auch Kryptowährungen derzeit einfach noch nicht benutzerfreundlich genug, um als massentaugliches Zahlungsmittel zum Einsatz zu kommen.

ENTSCHLEUNIGUNG DURCH MANUFAKTUREN

Während Technologie und Digitalisierung auf der einen Seite unser tägliches Leben – und unser Business – zunehmend mitbestimmen, ist auf der anderen Seite eine gegenteilige Tendenz sichtbar: Manufakturen, oft Traditionsunternehmen und dem Old Business zuzuordnen, finden eine Nische für sich, in der sie bestehen können. Sie profitieren vor allem vom Bedürfnis der Menschen nach einer gewissen Entschleunigung: Das mundgeblasene Glas oder die handgefertigten Schuhe stellen einen Wert dar, der sich von der Massenware abhebt und dem Besitzer bzw.Träger ein Gefühl von Authentizität gibt.

NEW BUSINESS SCHAFFT NEUE ARBEITSPLÄTZE

Ein Aspekt, der im Zusammenhang mit der sich verändernden Wirtschaft bisher kritisch beäugt wird, hat schließlich mit Arbeitsplätzen zu tun. Immer wieder wird der Vorwurf laut, dass die zunehmende Digitalisierung und Technologisierung Arbeitsplätze vernichten würden. Das ist bis zu einem gewissen Grad richtig. Gleichzeitig darf man nicht übersehen, dass das New Business mit seinen sich wandelnden Herausforderungen an Unternehmen neue Arbeitsplätze schafft, wie z. B. Influencer oder Usability-Tester. Wenn man das Berufsbild Influencer als Beispiel heranzieht, so hat sich dieses in den vergangenen Jahren erst dank sozialer Medien entwickelt und etabliert – ein Prozess, der das New Business sehr gut skizziert. Selbst ohne legitimierte Ausbildung im eigentlichen Sinne müssen sich Influencer in ihrem Bereich weiterbilden und Flexibilität an den Tag legen, um ihre Follower stets mit den neuesten Trends zu versorgen. Flexibilität ist ohnehin ein Asset, das man im digitalen Bereich mitbringen muss. Auch der Mut, etwas Neues zu wagen, gehört dazu. Denn dieser Mut ist es, der solche tiefgreifenden Veränderungen überhaupt erst ermöglicht.

WIRTSCHAFTSSTANDORT WIEN

Das gilt – last but not least – auch für den Wirtschaftsstandort Wien. Hier ist in den vergangenen Jahren schon sehr viel geschehen, und die Donaumetropole wird als Wirtschaftsstandort immer attraktiver. Doch trotz der stetig steigenden Attraktivität gilt es, sich nicht auf den bereits geernteten Lorbeeren auszuruhen. Vielmehr muss Wien seine Anstrengungen in den Bereichen Digitalisierung und Technologisierung weiter intensivieren, um die aktuellen und zukünftigen Trends erkennen und nutzen zu können. Die Stadt muss außerdem das damit einhergehende New Business und die daraus entstehenden Innovationen aktiv fördern. Nur so kann der Wirtschaftsstandort Wien langfristig weiter gestärkt werden, nur so steigt die Attraktivität weiter, und nur so
entstehen letztlich auch neue Arbeitsplätze.

Grafik: © COME 2 US/shutterstock

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