Lukas Schweitzer ist nicht nur Teamleiter der Themengruppe Digitalisierung in der Jungen Wirtschaft Wien, sondern auch Experte für IT-Security und Datenschutz. Im Gespräch verrät er, wie die Zukunft dieser Bereiche aussieht und worauf Unternehmer jetzt achten müssen.

Lukas, warum engagierst du dich bei der Jungen Wirtschaft Wien und was sind deine Aufgaben?

Die Junge Wirtschaft ist nicht nur ein einzigartiges Netzwerk von jungen Unternehmern. Sie bietet auch die Möglichkeit, mit Branchenvertretern der Wirtschaftskammer und der Politik in Kontakt zu treten und selbst mitzugestalten.

Ich selbst bin im Junge-Wirtschaft-Team „Digitalisierung“. Die Aufgaben unseres Teams sind die Erarbeitung aktueller Themen bezüglich der Digitalisierung, das Aufstellen von Kooperationen und Netzwerkpartnern und das Ausarbeiten von Forderungen im Bereich der Digitalisierung.

Beruflich bist du ja im Bereich IT-Security/Datenschutz unterwegs. Wo hinkt da die heimische Wirtschaft noch hinterher?

In den letzten Jahren, vor allem aufgrund des Inkrafttretens der Datenschutzgrundverordnung 2018 und den vermehrten Ransomware-Attacken, ist Datenschutz bzw. IT-Security ein immer wichtigeres Asset im Unternehmensbereich geworden. Zum einen, weil es für Kunden ein relevantes Entscheidungskriterium geworden ist, andererseits auch aufgrund der nachteiligen Effekte bei Datenverlust bzw. erfolgreichen Hacks (u.a. Reputation, Schadenersatz, Produktionsstillstand).

In der heimischen Wirtschaft hat dadurch auch – langsam aber doch – ein Umdenken stattgefunden. Vor allem Klein-und-Mittelbetrieben (KMU) ist die Bedeutung dieser beiden Felder mittlerweile stärker bewusst geworden.

Trotzdem hinkt Österreich gerade im Bereich der Awareness und des Risikobewusstseins hinterher. Hier können Förderprogramme wie KMU Digital helfen. Durch diese Angebote sind vor allem KMU eher bereit, Geld in Erstberatungen zu investieren. Aber auch die offene Kommunikation nach erfolgten Attacken ist hier essentiell! Dadurch wird den Cyberbedrohungen mehr Relevanz in den Medien verschafft und das Bewusstsein dafür gestärkt, sodass andere Unternehmen davon lernen können, bevor sie vielleicht selbst getroffen werden.

Die Junge Wirtschaft Wien fordert u.a. auch eine automatische Handy-Signatur für Unternehmer. Wo wird die Signatur jetzt schon erfolgreich angewendet und in welchen Bereichen ist das erst Zukunftsmusik?

Ja, diese Forderung ist auch sehr wichtig. Die Handysignatur erleichtert manche Behördenwege sehr. Die Stadt Wien und Services der Sozialversicherungsträger oder des Bundes unterstützen schon die Handy-Signatur sehr gut. Mit der automatischen Handy-Signatur für Unternehmer fällt der nachträgliche Prozess der Beantragung weg und somit auch die Hürde, sie zu benutzen.

Zukunftsmusik bzw. noch nicht vollständig etabliert ist sie im Bereich des E-Bankings, bzw. bei der Nutzung zur Verschlüsselung von E-Mails und Dateien ohne großen Aufwand. Hier besteht noch großer Aufholbedarf.

Ist das gerade wegen Corona ein wachsendes Geschäftsfeld, auf das neben Behörden und Banken nun auch andere Bereiche setzen?

Durch die Corona-Pandemie wird die Digitalisierung auch in anderen Bereichen stark vorangetrieben. Ich kann mir hier sehr gut vorstellen, dass in der Privatwirtschaft ein Umdenken stattfinden wird. Es gibt Tendenzen, die Handy-Signatur als alternative Authentifizierungs- bzw. Identifizierungsmöglichkeit zu nutzen. Vor allem, da sie Rechtssicherheit gewährt.

Warum bist auch du der Meinung, dass bei der Behördenkommunikation für Unternehmer mehr Transparenz und Kontrolle der eigenen Daten bestehen sollte?

Nicht immer ist einem Unternehmer bewusst oder bekannt, welche betriebsbezogenen Daten bei Behörden gespeichert sind und ob alle diese Daten auch korrekt sind.

Meiner Meinung nach sollten aber Unternehmer schon das Recht haben, zu wissen, was über sie von den Behörden gespeichert wird.

Hier greift die Forderung nach einer digitalen Plattform, auf der alle unternehmenseigenen Daten aggregiert und vom Unternehmen ausgehend verwaltbar sind. Und des Weiteren alle von den Behörden gespeicherten zusätzlichen Daten transparent aufscheinen bzw. abgefragt werden können.

Das hat den Vorteil, dass bei Änderungen im Unternehmen alle Behörden über einen Schritt informiert werden können und die Korrektheit der Daten laufend und einfach überprüft werden kann.

Wie würdest du dich in drei Sätzen selbst beschreiben?

Unternehmer aus Leidenschaft: Ich bin Berater und Experte in IT-Security und Datenschutz.

Überzeugt, dass wirtschaftliche Ethik nachhaltig erfolgreich ist.

Passionierter Klavierspieler und Liebhaber der klassischen Musik.

Danke für das Gespräch!

 

Foto: Franziska Liehl

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