Verpackungen und deren Einfluss auf unsere Umwelt haben in den letzten Jahren immer mehr an Interesse in der Bevölkerung und unter Unternehmen gewonnen. Doch welche Aspekte müssen beachtet werden, wenn es um nachhaltigere Verpackung geht und was können wir tun um unseren Beitrag im Recycling-Prozess zu leisten?

Die vielen offenen Fragen

Nachhaltigkeit in der Verpackungsindustrie wird ein immer größeres Thema, aber was ist denn wirklich nachhaltig, bzw. wie einfach ist es für Unternehmen Zugang zu nachhaltiger Verpackung zu bekommen? Gibt es wirklich nachhaltige Verpackungen, die bereits massentauglich sind und preislich vertretbar? Wie wichtig ist eine nachhaltige Verpackung für Konsumenten und sind sie bereit höhere Preise dafür in Kauf zu nehmen?

Diese und viele weitere Fragen stellen sich in Zusammenhang mit dem viel diskutierten Thema „Nachhaltigkeit in der Verpackungsindustrie“.

Die Verpackungsindustrie

Die Verpackungsindustrie ist eine der wenigen, wenn nicht die einzige Industrie, die einen derart großen Einfluss auf so viele verschiedene Wirtschaftssektoren und Bereiche des täglichen Lebens hat.

Die Verpackungsindustrie hat in den letzten Jahren – schon vor Corona – einen riesigen Aufschwung verzeichnet. Zum einen wurden viele neue Wirtschaftszweige eröffnet, welche einen großen Einsatz von Verpackung verzeichnen, zum anderen gab es in China ein großes industrielles Wachstum, der ebenfalls einen Einfluss auf den Verbrauch von Verpackung hat. Zu guter Letzt hat auch die Corona-Pandemie ihren Beitrag geleistet. In den letzten 13 Monaten ist der Verbrauch von Verpackungsmaterial erneut um ein Vielfaches gestiegen.

Die Verpackungs-Verwertung

Einmal-Verpackungen stellen uns tagtäglich vor große Herausforderungen. Vor allem in folgenden 2 Aspekten:

  • Verpackungs-Verwertbarkeit
    • Viele der Verpackungen, die heute im Einsatz sind, können noch nicht ausreichend recycelt werden. Ein Punkt, den viele Experten kritisieren. Sie meinen, dass zu wenig in die Entwicklung der Recycling-Systeme investiert wird, was aber eines der wichtigsten Faktoren in der Reduktion von umweltschädlichem Müll ist.
  • Verpackungs-Verwertung
    • Recycling-Quoten sind teilweise weit entfernt von dem Wert, den wir bräuchten. McKinsey spricht in ihrem Artikel von einer Wiederverwertung von Plastikverpackungen von ca. 28% in den USA sowie ca. 40% in Europa. Papier, Metall und Glas werden immerhin zu ca. 75-80% wiederverwertet. McKinsey weist in ihrem Artikel allerdings darauf hin, dass diese Zahlen noch unausgereift sind und somit in Realität anders aussehen könnten.

Die Frage, die sich viele Experten stellen ist: Werden wir schnell genug wirklich nachhaltige Verpackungen massentauglich produzieren können, oder ist es realistischer, geballten Fokus auf die Entwicklung von Recycling-Technologien zu setzten, um z.B. Plastik bestmöglich weiterverarbeiten zu können oder wiederverwendbar zu machen?

Nachhaltigkeit und Verpackung

Verpackungen nachhaltig zu gestalten ist ein komplexes Thema und fordert Menschen in jedem Schritt der Wertschöpfungskette heraus. Nicht nur die Verpackungsentwicklung, sondern auch die Verpackungsdesigner & -hersteller, die Logistik, der Endverbraucher bis hin zur Abfallverwertung sind gefragt und haben eine große Verantwortung. Die große Frage, die sich für alle im Laufe der Wertschöpfungskette stellt: Wie können wir nachhaltige Verpackung in massentauglichen Mengen und Preisen herstellen?

Da es momentan noch keine weltweite Einigung gibt was genau „nachhaltige Verpackung“ beinhaltet, gibt es sehr viel Verwirrung unter Verpackungsproduzenten, Experten, Politikern, Gesetzgebern,… Geht es bei „nachhaltiger Verpackung“ tatsächlich nur darum, dass das Stück Verpackung nachhaltig in der Müllverarbeitung ist, oder muss der gesamte Wertschöpfungsprozess und im Laufe dessen auch die Sinnhaftigkeit im Weiterverbrauch berücksichtigt werden?

Trotz aller offenen Fragen hat sich in den letzten Jahren bereits einiges in Richtung Nachhaltigkeit bei Verpackungen getan, und das auch auf Gesetzesebene. Einer der Vorreiter weltweit, ist die EU mit ihren neuen Richtlinien zu der Verwendung von Einmal-Verpackungen. Auch in Asien ziehen Länder wie Thailand nach. Das Land möchte 2021 alles Einmal-Plastik verbieten. 2020 hat es bereits mit Verboten in den größten Geschäften des Landes gestartet. Was speilt bei Verpackung noch eine wichtige Rolle?

Ein Thema, das oft in der Diskussion der nachhaltigen Verpackungsmöglichkeiten übersehen wird, ist der Transport der Güter. Gerade in der Nahrungs- und Kosmetikindustrie ist oft der Ansatz zu hören, ob es nicht viel Sinn macht Plastik durch Glas auszutauschen. Allerdings gilt hier zu bedenken, dass die meisten Güter nicht aus der Fabrik an den Endkonsumenten direkt verkauft werden, sondern über längere Transportwege erst zu den eigentlichen Verkaufsstellen gelangen – und diese liegen oft hunderte wenn nicht tausende Kilometer weit entfernt.

Hier ein vereinfachtes Beispiel: Eine Transportpalette hat ein Obergewicht. In unserem Fall hat die Palette das Obergewicht von 1000kg. Wir vergleichen zwei 50ml Tiegel. 1x Kunstoff und einmal Glas. Ein 50ml Glastiegel hat ca. 70g, während ein 50ml Kunstoff-Tiegel ca. 30g hat (abhängig vom Design des Tiegels).

Wenn meine Palette eine Kapazität von 1000kg umfasst, dann könnte ich ca 12.500 50ml Kunstoff-Tiegel (Ann: Der Tiegel hat 30g und das Material 50g) verstauen. Möchte ich die selbe Menge an Glastiegel unterbringen würden lediglich 8.333 Tiegel auf eine 1000kg Palette passen (Ann: Der Glastiegel hat 70g und das Material 50g). Daher bräuchte ich für den Transport von Glastiegeln ca 1,5 Paletten. Die offene Frage…wiegt das um ein vielfaches gestiegene Transportvolumen das eventuell nachhaltigere Verpackungsmittel auf?

Die Veränderung im FMCG-Sektor

FMCG Firmen und Einzelhändler haben sich in den letzten Jahren immer mehr dem Thema Nachhaltigkeit in Verbindung mit Verpackungen angenommen. Auf der einen Seite wird versucht durch Verpackungen mit geringerem Gewicht Transportvolumen zu sparen und so Emissionen zu verringern, auf der anderen Seite will man durch den Einsatz von Verpackungen, die komplett recycelt werden können, bzw. die zu einem möglichst großen Teil aus recyceltem Materialien hergestellt wurden, die Nachhaltigkeit steigern.

Speziell die FCMG Firmen befinden sich oft in einem „Teufelskreis“. Die Produktverpackung müssen zweckmäßig sein und ein ansprechendes, wenn nicht sogar innovatives Design habe. Auch zeigt die Vergangenheit, dass Endkonsumenten oft nicht bereit sind mehr für Nachhaltigkeit zu zahlen bzw. extra Schritte in die Entsorgung ihres Produktes einzubauen. Trotzdem hat Loops 2019 mit seinen namhaften Partnern wie P&G, Unilever, Nestlé, … einen erneuten Versuch gestartet um zu testen, ob wiederverwendbare Verpackungen eine Zukunft haben könnten. (Lies den Artikel dazu hier: https://www.greenbiz.com/article/loops-launch-brings-reusable-packaging-worlds-biggest-brands)

Offen ist auch bei dieser Idee, wie die Konsumenten diese neuen Ansätze annehmen. Eine wichtige Rolle spielt vor allem die Effizienz des Verpackungs-Retouren-Zyklus. Denn dieser gibt Aufschluss, ob mit dieser Strategie tatsächlich Umweltbelastung eingespart werden kann. Oft ist der Knackpunkt von solch wiederverwendbaren Verpackungsideen (zusätzlich zu den schon genannten), dass aufwendige Wiederaufbereitungsmaßnahmen mit weiten Transportwegen notwendig werden. Im Einzelnen bzw. in der Nahversorgung ist dieser Ansatz aber sicher ein guter.

Unser Beitrag

Schlussendlich ist die richtige Entsorgung unseres Mülls ein großer Teil der Nachhaltigkeitsstrategie und der Teil der Wiederverwertungskette, wo wir als Endkonsumenten unseren großen Beitrag leisten können.

Daher ist die Devise „Reinigen & richtig Entsorgen!“ 🙂

Wichtig ist, die Verpackung vor dem Entsorgen gründlich auszuwaschen und alle Teile in die richtigen Tonne zu werfen. Habe ich z.B. einen PET (Plastik-Tiegel) mit Alu Verschluss, so gehören beide Teile ausgewaschen, der Tiegel kommt zum Plastik (in die gelbe Tonne) der Alu-Verschluss kommt zum Metall (in die blaue Tonne – für Wien: auch in die gelbe Tonne). Möchte ich eine Glasflasche entsorgen, gilt auch hier unbedingt auswaschen und in die Tonne mit der richtigen Glasfarbe werfen!

Zusammenfassend:

Zusammenfassend kann man sagen, dass bereits einiges in Richtung nachhaltigeren Umgang mit Verpackungen, vor allem Einmalverpackung, getan wird. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass das Thema ganzheitlich und international angegangen wird. Wir brauchen einen starken Fokus auf der Entwicklung von Recyclingsprozessen und –maschinen sowie massentaugliche Optionen für nachhaltige Verpackungen in marktkonformen Designs. Auch braucht es mehr Unternehmen die sich auf den Vertrieb von nachhaltigen Verpackungsmitteln mit kleinen Abgabemengen, vor allem auch im Kosmetikbereich, fokussieren um solche Verpackungen auch kleinen Unternehmen zugängig zu machen.

Text: Caroline Rechtman, MLitt

Foto: unsplash/Nick Fewings

Weitere Quellen:

Karli Verghese, Helen Lewis, Leanne Fitzpatrick, 2012, Packaging for Sustainability, Springer Science & Business Media; Zugriff über https://books.google.at/books?hl=de&lr=&id=x67sP0jeAZkC&oi=fnd&pg=PR6&dq=sustainability+in+packaging+industry&ots=2QHsqUVqYd&sig=Ae1r_g17keRAmZbNKy8Kgmj-wR0#v=onepage&q=sustainability%20in%20packaging%20industry&f=false

https://www.lead-innovation.com/blog/5-trends-in-der-verpackungsindustrie

https://www.greenbiz.com/article/loops-launch-brings-reusable-packaging-worlds-biggest-brands