Die viel besungene Informations- und Dienstleistungsgesellschaft, zu der sich unsere Wirtschaftswelt zunehmend entwickelt, hat zahlreiche Implikationen. Manche dieser Implikationen sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Es ist nicht nur wichtig, Informationen und Wissen zu generieren, sondern es auch nachhaltig zu managen. Warum ist das essenziell und vielleicht auch komplex? Weil Unternehmen mit all ihren Akteuren nicht nur über explizites (in Handbüchern niedergeschriebenes) Wissen verfügen, sondern genauso über implizites (personengebundenes) Wissen.

Ist Wissensmanagement ein neuer Trend, ein neues Modewort?

Eine Frage, die wohl recht unterschiedliche Antworten hervorruft. Wissensmanagement hat es wahrscheinlich in vielen Unternehmen immer schon gegeben – nur war es nicht so benannt bzw. gab es keine Formalismen dahinter.

Mit Wissensmanagement als Begriff und Konzept geht es nun um die institutionalisierte Organisation von Wissen. Das beinhaltet mehr, als man auf den ersten Blick meinen sollte. Hier geht es nicht nur darum sicherzustellen, dass es eine Übergabe-Phase zwischen aktuellem und künftigem Mitarbeiter gibt. Es ist viel mehr als die bloße Übergabe von Wissen von einer Person auf die andere. Wissen muss identifiziert, bewertet und allen Mitarbeitern zugänglich gemacht werden – es muss also organisiert werden.

Was Wissensmanagement leisten kann

Gezieltes Wissensmanagement kann dabei helfen, implizites Wissen in explizites Wissen umzuwandeln. Oftmals ist das Generalisieren von personengebundenem Wissen nicht möglich oder erwünscht. Dies kann mit Konkurrenzdenken zwischen den Mitarbeitern im Unternehmen zu tun haben, da spezielles Wissen die eigene Machtposition erweitern kann.

Diese persönlichen Ziele stehen oftmals konträr zu den allgemeinen Unternehmenszielen, da ein fehlender Transfer von implizitem zu explizitem Wissen Ressourcen verschwendet. Um dies zu vermeiden oder zumindest zu verringern, können die Systeme des Wissensmanagements einen positiven Beitrag leisten.

Ziel ist letztendlich die lernende Organisation. Durch vorhandenes und bewusst organisiertes Wissen steigt das Effizienz- und Kreativitätspotenzial des Unternehmens. Wissen soll also nicht nur gesammelt und archiviert, sondern als Quelle für Innovation genutzt werden.

Wissen für alle zugänglich?

Wissensmanagement kann durchaus theoretisch und nach einem großen Berg an Arbeit klingen. Daher sind besonders die ersten Umsetzungsschritte wichtig, um Quick Wins erzielen zu können. Die wesentlichen Formen der Wissenssicherung und -weitergabe beschränken sich auf zwei Varianten:

  • Wissen digital transferieren (Datenbanken, Wikis, etc.)
  • Wissen persönlich transferieren (persönlicher Austausch, Trainings, etc.)

Das verbindende Element für diese beiden Varianten ist eine interne „Social Software“, die beides auf einer Plattform ermöglicht (gerade in Zeiten, in denen der persönliche Austausch nicht möglich ist).

All das wird in vielen Unternehmen sicher schon praktiziert, allerdings nicht formalisiert und ohne klarem Konzept dahinter. Und darum ist es wichtig, Wissensmanagement als Gesamtkonzept zu verstehen, das sich an der jeweiligen Unternehmenskultur orientiert.

Alleine schon die Bereitschaft der Mitarbeiter, sich am Wissensmanagement zu beteiligen, ist entscheidend, damit es funktioniert. Im operativen Tagesgeschäft sind derartige Initiativen meist nicht vorrangig und werden auf der ToDo-Liste nach hinten gereiht. Für die langfristige und nachhaltige Weiterentwicklung des Unternehmens wäre aber genau das essenziell.

In der Zukunft umso mehr

Die eingangs erwähnte Informations- und Dienstleistungsgesellschaft wird dem Wissensmanagement auch weiterhin einen Boost bescheren – mit zunehmender Auswirkung auf die Zukunftssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.

Mit der permanenten Weiterbildung und -entwicklung der Mitarbeiter wird auf das Arbeitgeberimage (Employer Branding) positiv eingezahlt. Begleitend dazu trägt die digitale Transformation ihren Teil dazu bei, indem die Form des Wissensmanagements mit all seinen Elementen über ortsunabhängige Netzwerke geschehen wird.

Und wer sich jetzt noch fragen sollte: Wofür das alles?

Weil es darauf ankommt, was wir wissen und nicht wer etwas weiß.

 

Text: Elisabeth Pammer, MA (Branchengruppenleiterin Information & Consulting)
Grafik: garagestock/Shutterstock

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