Liebe Anna, liebe Elisabeth, wir freuen uns sehr über das Interview mit euch. Könnt ihr uns einen kurzen Einblick in euer Unternehmen geben: was macht ihr und wollt ihr erreichen?

Anna: Sehr gerne! Elisabeth und ich haben gemeinsam die Kinder-Programmierschule acodemy. Mit acodemy decken wir zwei wichtige Bereiche ab, beide für Kinder:  wir bieten Programmierunterricht mit sehr viel Spaß in den Schulferien und haben ein neues Produkt für allgemeine digitale Bildung für Kinder in Volksschulen. Mit den Programmier-Feriencamps sind wir sehr stolz, führend in Österreich zu sein. Unser neues Produkt für Volksschulen ist sogar die erste nachhaltige Möglichkeit im  deutschsprachigen Raum bzw. eventuell in ganz Europa, für digitale Bildung in Volksschulen.

Elisabeth: Wir wollen, dass ALLE Kinder auf ihre Zukunft in der digitalen Welt vorbereitet werden. Kinder in ihrer Entwicklung ein Stück begleiten zu dürfen, ist für uns eine Herzensaufgabe. Ihre Begeisterungsfähigkeit, ihr Entdeckergeist, ihre Vorstellungskraft und ihre Freude, wenn sie wachsen, sind unsere Inspiration.
Natürlich wollen wir auch ein schönes und gesundes Unternehmen aufstellen, in dem wir unser Know-how und unsere Erfahrung dafür einsetzen und für unsere MitarbeiterInnen und für uns damit ein Leben und eine Arbeit mit Spaß und Sinn ermöglichen.

Welche persönliche Motivation hat euch dazu bewegt, Acodemy zu gründen und welchen Background habt ihr?

Elisabeth: Wir haben uns 2016 kennengelernt. Wir hatten beide sehr unterschiedliche Backgrounds und Motivationen, aber das gleiche Ziel: ein Bildungsinstitut zu gründen, wo Kinder mit viel Spaß und gleichzeitig hochwertig auf ihre Zukunft in der digitalen Welt vorbereitet werden. Ich hatte davor schon für einen Verein gearbeitet und einzelne Programmierworkshops für Kinder gehalten. Auf die Frage der Eltern, wie die Kinder nach dem Workshop-Tag weitermachen und mehr lernen können, gab es aber keine Antwort. Dadurch, dass ich Informatik-Didaktik studiert hatte, und mich das Thema auch sehr interessiert hat, entwickelte sich die Idee einer eigenen Kinder-Programmierschule.

Anna: Mein Werdegang war ganz anders, ich habe Elektrotechnik und Wirtschaft studiert und 25 Jahre in Konzernen verbracht. Nach dem Aufbau und der Leitung von Unternehmen war an dem Punkt, wo ich mein eigenes Unternehmen gestalten wollte. Dabei ist mir aufgefallen, wie wenig – auch im Vergleich mit anderen Ländern –Kinder in Österreich für die digitale Welt vorbereitet werden.
Und dann haben wir uns bei einer Konferenz in einem großen Saal mit vielen Herren als die einzigen zwei Frauen nebeneinandergesetzt. Daraus entstand nicht nur acodemy, sondern auch eine enge Freundschaft.

Was bedeutet „Coding“ und warum ist es wichtig, dieses Thema Kindern näher zu bringen? Gibt es für euch einen richtigen Zeitpunkt dafür?

Elisabeth: Wir sagen zu dem, was Kinder bei uns lernen, lieber „Programmieren“, weil das für uns mehr abdeckt.
Wir benutzen tagtäglich Dinge wie Selbstbedienungskassen, Navigationssysteme, Alexa uvm, ohne ein grundlegendes Verständnis zu haben, wie und warum diese funktionieren. Unsere Vision ist es, Kindern und Jugendlichen mit viel Spaß ein Grundverständnis für die digitale Welt zu geben. Bei Kindern ist wichtig, dass sie die Grundlogik des Programmierens verstehen und ein Basisverständnis für die Grundlagen der digitalen Welt bekommen. Weil das die Welt ist, in der sie aufwachsen und ihr Leben glücklich und erfolgreich leben sollen.

Anna: Der richtige Zeitpunkt ist natürlich individuell. Wir halten jedoch – genauso, wie z.B. bei Mathematik – den ersten Kontakt mit digitalen Fähigkeiten in der Volksschule für sehr wichtig. Selbstverständlich immer altersgerecht aufbereitet, und so, dass es die Kinder für das Thema begeistert. Deswegen haben wir auch unser neues Produkt, die interaktive Videoserie cody21 entwickelt. Das ist digitale Bildung für die Volksschulen – zum Einschalten und Mitmachen. Damit belastet die digitale Bildung nicht die VolksschulpädagogInnen, sondern der Unterricht wird von unseren ModeratorInnen und der animierten Roboterfamilie Cody übernommen.

Die Nachfrage nach ProgrammiererInnen ist sehr hoch, digitale Fähigkeiten sind äußerst gefragt, und werden zunehmend immer wichtiger. Gehört Coding für euch neben Lesen, Rechnen und Schreiben zu den Grundkenntnissen der Zukunft? Wie wird sich die Schulbildung in dieser Hinsicht eurer Meinung nach verändern?

Anna: Ja, wenn wir davon ausgehen, dass laut Prognosen in 2030 75% der Jobs digitale Kompetenzen benötigen, ist es tatsächlich so, dass diese, darunter Programmieren, zu den Grundfähigkeiten der Gesellschaft gehören. Wir wissen, dass das zurzeit noch nicht für jeden leicht zu akzeptieren ist, aber das war mit den anderen drei Grundfähigkeiten damals auch nicht anders. Lesen wurde erst langsam zur akzeptierten Grundfähigkeit, als Bücher weit verbreitet waren.

Elisabeth: Das bedeutet natürlich auch, dass sich das Bildungssystem anpassen muss. Das geht mit Sicherheit nicht von heute auf morgen, aber seit Herbst 2018 ist z.B. in der Sekundarstufe 1 (d.h. in der Unterstufe) digitale Bildung verpflichtend. In den Volksschulen gibt es das bisher noch nicht, und wir freuen uns sehr, dass wir diese jetzt mit den cody21-Videos gut unterstützen können. Es gibt schon sehr, sehr viele VolksschulleiteIinnen und PädagogInnen, die die Wichtigkeit und Dringlichkeit bereits erkannt haben.

Es gibt Kindergärten in Singapur, die Coding bereits in ihr Tagesprogramm inkludieren. Bei wem seht ihr die Verantwortung, Coding als Bestandteil der Schulbildung zu verankern? Und wie können Eltern mit diesem Thema umgehen?

Elisabeth: Wir sehen die Verantwortung, Kinder für die Zukunft zu rüsten, bei der gesamten Gesellschaft. Für die Volksschulen müssten es in der jetzigen Struktur die Länder bzw. die Bildungsdirektionen sein, die die Erstinitiative starten. Diesbezüglich ist Wien absoluter Vorreiter. Ein schönes Beispiel ist auch die Stadt Linz, wo alle Hortkinder mit cody21 digitale Bildung bekommen.

Anna: Wir sehen die Verantwortung durchaus auch bei der Wirtschaft, die, in zehn  bis 15 Jahren, qualifizierte Arbeitskräfte mit digitalen Kompetenzen benötigen wird. In Wien und in Linz waren es große Unternehmen, die den finanziellen Hintergrund dafür geschaffen haben, dass digitale Bildung in diesen Städten für viele Kinder ermöglicht wird.
Unsere Verantwortung sehen wir darin, mit Know-how und Erfahrung beizutragen und fachlichen Input und Material für breite digitale Grundbildung zur Verfügung zu stellen.  Wir nehmen diese Verantwortung gerne an und unterstützen inzwischen nicht nur viele begeisterte Kinder, sondern auch Hunderte von interessierten Volksschulen.

Was sind eure nächsten Schritte und wie lautet die Zukunftsvision für Acodemy?

Elisabeth: Im Moment sind wir im Prozess, die cody21 Videoserie österreichweit auszurollen, damit alle Volksschulen unterstützt werden und dadurch alle Kinder in der Volksschule die ersten grundlegenden digitalen Kompetenzen bekommen können.

Anna: Danach ist Deutschland und Europa dran, eventuell auch mit einem strategischen Investor, um möglichst schnell möglichst viele Kinder erreichen zu können.

Vielen Dank für eure Zeit und die spannenden Einblicke. Wollt ihr uns noch etwas zum Abschluss sagen?

Elisabeth: Wir denken, dass jedes Kind es verdient, gut auf die Zukunft vorbereitet zu werden. Und deswegen: danke für die Möglichkeit, über die digitale Bildung der Volksschulkinder zu sprechen.

Anna: Je mehr wir darüber sprechen, desto schneller wird die Wichtigkeit erkannt. Dankeschön für das Interview.

Autorinnen: Lisa Eisenberger, Schila Labitsch, Stefanie Zeilinger
© Acodemy

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