Manche, die diese Überschrift lesen, runzeln wahrscheinlich die Stirn. Zumindest spürt man einen leichten Widerstand, da doch in der heutigen Zeit in der Geschäftswelt vornehmlich die Digitalisierung das Kommunikationsthema Nummer eins ist. Wie sich der Alltag und die Kaufprozesse verändert haben, ist jedem klar, hier besteht nicht die Notwendigkeit einer detaillierten Begriffserklärung. Denn jeder ist „betroffen“. Worauf es neben den wirtschaftlichen Komponenten und den Geschäftsbereichen, die sich mit und durch die New Economy seit den 90er-Jahren entwickelt haben, ankommt, darauf möchte ich im Folgenden näher eingehen. Im Fokus stehen die Unternehmer, Mitarbeiter und Kunden.

Unternehmer

Unternehmer stehen vor der Herausforderung, innovativ sein zu müssen, da sich die Märkte im ständigen Wandel befinden, wie das Akronym „VUKA-Welt“ so schön beschreibt. Disruptive Produkte und Dienstleistungen erschweren die Vorhersehbarkeit von neuen Trends, und so sind Unternehmer gezwungen, agil und dynamisch zu reagieren.

Wie gelingt es Unternehmen in dieser Zeit, erfolgreich zu bestehen, ja sogar zu wachsen? Wachstum entsteht durch Kooperationen und Investitionen, die mit Erwartungen an den Erfolg von Ideen und Innovationen geknüpft sind.
Kreativität ist hierbei einer der Vorreiter, wenn es um die Must-Have-Stärken der Mitarbeiter geht. Jedoch sollte nicht nur auf das Pferd der Innovationen und neuen Ideen gesetzt werden. Zwar sind Investoren, die an eine Idee glauben, Sicherheitsanker für das Kapital, Fundament für eine positive Performance ist jedoch auch das Team, das neue Produkte und Dienstleistungen realisiert und erfolgreich an den Mann/die Frau bringt. Unternehmer stehen hier vor der Herausforderung, Potenziale zu erkennen und entsprechend Teams einzustellen, in der Akquise kann hierbei die Walt-Disney-Methode als Anhaltspunkt dienen. Zusätzlich haben Arbeitgeber Schwierigkeiten, wenn es um die Loyalität der Arbeitnehmer geht. Oftmaliger Jobwechsel hat nicht mehr den negativen Beigeschmack von früher – sondern ist sogar en vogue geworden. Was wollen die Mitarbeiter der neuen Zeit, wie ticken sie?

Mitarbeiter

Die Bedürfnisse der Menschheit und der Generationen befinden sich in einem stetigen Wandel. In der Maslowschen Bedürfnispyramide ist die Spitze – die Selbstverwirklichung – oftmals der Antreiber. War in den Nachkriegsgenerationen Sicherheit die Hauptintention bei der Jobsuche und -wahl, so sind nun Mitarbeiter von der individuellen Wertehierarchie her nicht mehr über einen Kamm zu scheren. Für den einen ist „Hustlen“ und Geld verdienen ganz vorne dabei, für andere wiederum die Work-Life-Balance, Freiheiten und individuelle Benefits, deren Vielfalt keine Grenzen gesetzt sind. Vom Kindergartenplatz bis zum Innenhof mit Sonne und der Nähe zum Wohnort sollten hier Arbeitgeber am besten jedes Stückchen spielen.

Mitarbeiter sind die neuen Kunden der HR-Abteilung, kann man schon fast sagen. Somit ist es ganz gut, wenn Unternehmen sich Fragen beantworten können wie: „Wer sind wir?“, „Wo wollen wir hin?“, „Welche Mitarbeiter benötigen wir?“ und „Welche Mitarbeiter passen zu uns?“. Diese Fragen geben eine klare Vision vor, denn wir bewegen uns weg vom Leadership zum Followership. Damit ist keinesfalls der autoritäre Führungsstil gemeint. Nein, es geht um Werte, die Unternehmer und Mitarbeiter verbinden. „Miteinander ans selbe Ziel“ kann hier ein Leitspruch sein. Wofür sind wir hier? Wozu leisten wir einen Beitrag? Mitarbeiter, Kooperationen und Netzwerke bauen im Idealfall darauf auf, dass man vom Werteverständnis her auf derselben Wellenlänge liegt.

Überdurchschnittlich viel leisten Mitarbeiter oftmals, wenn an der Spitze nicht mehr Autoritäten, sondern Inspiratoren sitzen, die den Arbeitnehmern ein „Wir-Gefühl“ vermitteln: „Wir für ein höheres Ziel“. Das wäre der holistische Unternehmensführungsansatz, in dem der Mensch von der „Ich-Die“- zur „Ich-Wir“-Mentalität wechselt. Eine Work-Life-Balance ist, wie bereits erwähnt, ein Pfeiler, auf dem ein erfolgreiches Unternehmen aufbaut. Das setzt voraus, dass Mitarbeiter leistungsfähig sind, was Hand in Hand mit der Anzahl von Krankheitstagen geht. Performance hat nicht selten etwas mit Überstunden und temporär intensiver Arbeitsleistung zu tun. Wie kann nun ein Arbeitnehmer nachhaltig gesund bleiben, wie kann man die steigenden Burn-out-Fälle verringern?

Mit einem hilfreichen Modell kann hier das Kohärenzgefühl der Mitarbeiter gesteigert werden. Aaron Antonovsky, der Vorreiter der Salutogenese, hat drei Säulen beschrieben, die einer positiven Auswirkung auf die Prävention von Krankheiten dienen können: Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit und Sinnhaftigkeit.

Kunden

Kunden sind wählerisch wie nie, vor allem, weil sie es sein können. Die Informationsflut und der überbordende Markt an unterschiedlichen und neuen Angeboten sind einer der rasantesten Auswüchse der heutigen Zeit. Kunden haben die Möglichkeit, sich zu informieren, und sind oftmals bereits vor dem Kauf bestens über Produkte und Dienstleistungen in Kenntnis gesetzt.

Was bewegt sie zum Kauf, wie kann man sich von zahlreichen Mitbewerbern noch abheben? Zumal wenn die Prognosen über eine digitalisierte Einkaufswelt stimmen, in der Geschäfte nur
noch eine Nebenrolle innehaben. Wie kann man dem im analogen Bereich entgegenwirken? Der heiße USP-Tipp der Zukunft lautet: individuelle Beratung, die durch gut geschulte Mitarbeiter
ermöglicht wird. Verkaufserlebnisse, die „customer experience“, müssen von A bis Z durchdacht sein, um den Kunden zum Kauf zu bewegen und ihn nachhaltig bei „Loyalitätslaune“ zu halten.
Was ist dafür notwendig? Empathie für die Kundenbedürfnisse. Bedürfnisse, die nicht nur mehr gestillt werden, sondern auch erst durch Innovationen entstehen. Und im besten Fall übertroffen werden. Es reicht nicht aus, nur die digitale Klaviatur perfekt zu beherrschen.

Der Erfolg von Unternehmen hängt oftmals am seidenen Faden der Reputation, die durch Kundenreferenzen, Weiterempfehlungen und Erfahrungsberichte entsteht. Der Vorteil ist, dass sich am Ende Qualität durchsetzen wird und Unternehmen die Vormachtstellung nicht mehr alleinig durch die Höhe der Werbebudgets halten lässt. Der vernetzte Kunde ist am Zug. Schnell, bequem und
reibungslos soll es sein, wodurch sich der Kreis schließt zu den Unternehmern, die agil und dynamisch reagieren sollten – ja im besten Fall agieren. Und das kann funktionieren, wenn die Bedürfnisse der Menschen miteinbezogen werden. Wenn der Mensch im Mittelpunkt steht und die Unternehmerriege der Zukunft Werte lebt und sogar vorlebt. Durch Innovation wird die Zukunft kreiert – New Businesses – New Economy – New World.

 

Text: Alice Dobias
Grafik: Duncan Andison/adobestock

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