Wir leben in einer Welt, die immer komplexer wird und in der die Schere zwischen Arm und Reich auseinanderdriftet. Die Art des Sparens, mit dem alle Generationen bisher ihre Zukunft absichern wollten, funktioniert nicht mehr. Niedrige Zinsen, hohe Inflation und schwer verschuldete Staaten haben das System auf den Kopf gestellt.

Sparen ist tot. Was kommt danach?

ÖsterreicherInnen sind Weltmeister im Sparen. Sie bedienen sich dabei nach wie vor am klassischen Sparbuch, dem Bausparer oder parken das Geld gleich am Girokonto. Den meisten ist sogar bewusst, dass ihr Erspartes dabei langsam, aber stetig dahinschmilzt. Aber was ist die Alternative?

Hohe Inflation – was tun?

Der Einmarsch Russlands in die Ukraine Ende Februar 2022 löste einen weltweiten Schock aus. Neben den schwerwiegenden Folgen für die Menschen nahm er auch Einfluss auf die Märkte. In vielen Regionen sind die Aktienkurse stark gesunken, und auch Anleihenkurse haben verloren (hier jedoch, weil Anleihenrenditen gestiegen sind). Die Rohstoffpreise wiederum stiegen sprunghaft an, auch weil Russland ein wichtiger Produzent und Exporteur von Rohstoffen wie Öl, Gas und Weizen ist. Diese Umstände tragen weiter zu der aktuell steigenden Inflation (also den Kosten unseres täglichen Warenkorbes), und damit zu einem Kaufkraftverlust jedes einzelnen Euros am Girokonto, bei. Diese lag im Dezember 2021 (im Vergleich zum Vorjahr) bei 4,3%. Das ist 3,5 Mal so hoch wie 12 Monate davor. Heute steht sie bei 6,8%.

Wie gehst du mit einer derartigen Marktsituation am besten um?

Hier unsere TOP 3 TIPPS:

TIPP 1: Die Zeitdauer, die du investiert bist, schlägt den Zeitpunkt, an dem du investiert hast.

Es ist unmöglich zu wissen, was in der Zukunft passieren wird. Wenn Du in den Spiegel schaust und nicht gerade Warren Buffett siehst, dann versuche nicht genau den richtigen Zeitpunkt zu finden, wann Du zu investieren startest. Eine „Kaufen-und-Halten“-Strategie ist einfach besser.  An der nachstehenden Grafik wird zum Beispiel sichtbar, wie teuer es war, wenn man die besten Tage innerhalb von einem Zeitraum von 20 Jahren nicht investiert war.

TIPP 2: Halte nicht mehr als wirklich nötig in bar.

Wenn die Inflation hoch ist, verliert Bargeld umso schneller an Wert, sodass dieser Rat noch dringlicher wird. Sparkonten können in den besten Zeiten kaum mit der Inflation mithalten, aber bei einem Leitzins von 0% liegen selbst hochverzinsliche Sparkonten weit darunter.

Unsere Faustregel für Bargeld: Halte dir Bargeld….

…., um deine laufenden Rechnungen zu bezahlen

….für einen Notgroschen (ca. 3 – 6 Monate deiner Ausgaben)

….für kurzfristig anfallende Ziele (Dinge, für die du in den nächsten ein bis zwei  Jahren fix Geld brauchen wirst)

Wenn du zu den Menschen gehörst, die auf der Risikotoleranz-Skala eher bei „vorsichtig“ liegen, kannst du dir überlegen, deinen Notgroschen etwas zu vergrößern, denn wenn die Dinge später teurer werden, reichen deine Ersparnisse von heute vielleicht nicht ganz so weit wie geplant.

Für den Rest deines Geldes empfehlen wir in der Regel: Investieren.

TIPP 3: Ruhe bewahren und weiter investieren.

Wenn du für langfristige Ziele investierst (die mehr als ein paar Jahre in der Zukunft liegen) und du ein über verschiedene Finanzprodukte gut diversifiziertes Portfolio hältst, empfehlen wir dir, so weiterzumachen wie bisher. Ein Fondsparplan auf ETF-Basis ist eine sinnvolle Anlagestrategie, um möglichst weit zu streuen und risikooptimiert langfristig anzulegen.

Jede Inflationsperiode ist anders und in der Vergangenheit hat sich die Inflation auf verschiedene Finanzprodukte unterschiedlich ausgewirkt. So werden auch die Finanzprodukte in deinem Portfolio unterschiedlich reagieren. Manche Anlageklassen können unter Inflation eine höhere Rendite verdienen. Aktien beispielsweise verdienten bei Inflation historisch gesehen und auf längere Sicht starke Renditen. Kurzfristig sind sie aber keine gute Inflationsabsicherung. Einige Teilsektoren wie Energie und Metalle weisen jedoch grundsätzlich gute Eigenschaften auf, um sich vor Inflationsverlusten abzusichern.

Falls du das Gefühl hast, du musst dein Portfolio umschichten, gib Acht! Wir sollten Portfolios nicht nach „Makrovorhersagen“ positionieren. Makroökonomische Vorhersagen sind nicht nur schwer, sondern unmöglich zu treffen. Wir wissen nicht, ob die Inflation bleibt, steigt oder wieder sinkt. Was wir aber wissen: Gute Investitionen zu attraktiven Preisen werden langfristig eine attraktive Rendite erzielen.

Autor: David Mayer-Heinisch
© Jeremy Bezanger / unsplash

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