In den vergangenen zweieinhalb Jahren verging kaum eine Woche, die den österreichischen Betrieben keine Kopfschmerzen verursachte. Geprägt von einem monatelangen Auf und Ab, vermeldeten viele Unternehmen im Sommer 2021 einen ersten vorsichtigen Wirtschaftsaufschwung – bis die Omikron-Variante ins Land zog.

Ein Großteil der heimischen Unternehmer wähnte sich bereits in Sicherheit – und in der Tat, die Zeichen für eine zeitnahe Erholung der heimischen Wirtschaft standen gut. Ein Anstieg der Geschäftslage, Umsatzzuwächse und Strukturänderungen innerhalb der Unternehmen sorgten für eine Aufbruchsstimmung. Die Wirtschaftsforscher sahen einen echten Wirtschaftsaufschwung auf das Land zukommen, der auch bitter nötig war, um die Auswirkungen der Pandemie aufzufangen. Jedoch immer mit dem kleinen Hinweis: Wenn das Virus für uns keine neue Überraschung parat hat.

Und so war es dann auch: Im Herbst 2021 meldete sich B.1.1.529 zu Wort, besser bekannt als SARS-CoV-2-Variante Omikron, womit die Hoffnung auf eine zeitnahe Besserung rasch im Keim erstickt wurde. Das belegen auch die Ergebnisse des Austrian Business Check des KSV1870, die zeigen, dass die heimische Wirtschaft zuletzt ins Stolpern geraten ist – auch, aber nicht nur wegen der Pandemie.

Weitere Hindernisse auf dem Weg zu einer wirtschaftlichen Entspannung sind der Krieg in der Ukraine, die Inflation und zusätzlich verschärfte Preissteigerungen, wohin man blickt – national wie international. „Die weltweiten Krisen beschäftigen Österreichs Wirtschaft mehr, als ihr lieb ist. Bereits vor dem Krieg hatten die Betriebe mit Preisanstiegen, Lieferkettenproblemen und Fachkräftemangel zu kämpfen, jetzt wird ihre wirtschaftliche Stabilität aufgrund der kriegerischen Handlungen ein weiteres Mal auf eine harte Probe gestellt“, erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG.

Geschäftslage eingebrochen.

Aktuell müssen sich die heimischen Betriebe vor allem mit einer rückläufigen Geschäftslage auseinandersetzen. Denn wie die KSV1870 Umfrage zeigt, haben im März 2022 nur 55 % der österreichischen Unternehmen die eigene Situation positiv bewertet – um zehn Prozentpunkte weniger als im August des Vorjahres. Und auch für das heurige Jahr versprüht gerade einmal ein Drittel der Betriebe Zuversicht – trotz zuletzt steigender Umsätze und einer zufriedenstellenden Nachfrage bei den Produkten.

„Bis jetzt haben die Unternehmen das ständige Auf und Ab der vergangenen Jahre größtenteils gut gemeistert. Auf Sicht kann der anhaltende ‚Stop-and-Go‘-Modus aber zum echten Spielverderber werden“, so Vybiral. Am ehesten lässt sich diese Zuversicht noch in der holzverarbeitenden Industrie, der Bauwirtschaft und der IT feststellen – auf Bundesländer-Ebene sind vor allem die Vorarlberger zuversichtlich.

Wirtschaftliche Engpässe.

Unabhängig davon, welche Schwerpunkte die Unternehmen zuletzt gesetzt haben, mit finanziellen Engpässen werden laut eigener Einschätzung über kurz oder lang bis zu 80 % zu kämpfen haben. Aus heutiger Sicht haben bereits rund 10 % ihre liquiden Mittel aufgebraucht, weitere 27 % haben lediglich das Jahr 2022 abgesichert. Auf lange Sicht halten vier von fünf Betrieben wirtschaftlichen Probleme für möglich: „Was die Liquidität anbelangt, ist das Glas zum Teil halbleer. Dabei gibt vor allem die Kombination aus internationalen Krisenherden, aktuellen Kostenexplosionen und wirtschaftlichen Corona-Einschnitten Anlass zur Sorge“, erklärt Gerhard Wagner, Geschäftsführer der KSV1870 Information GmbH.

Mehr Umsatz, mehr Entspannung?

Im Regelfall helfen Umsatzsteigerungen, wirtschaftliche Engpässe nach Möglichkeit zu vermeiden. Und tatsächlich: Ausgehend von einem eher niedrigen Niveau im ersten Corona-Jahr, ist es rund der Hälfte der Unternehmen im Vorjahr gelungen, ein Umsatzplus zu erzielen – ein Viertel musste Verluste in Kauf nehmen. Eine ähnliche Entwicklung erwartet Österreichs Unternehmerszene auch in diesem Jahr: Vier von zehn Betrieben kalkulieren umsatzseitig mit einem Plus. Wie sehr dieser Trend jedoch tatsächlich zu einer Entspannung führen und den Unternehmen mehr Luft zum Atmen geben wird, bleibt abzuwarten. Denn es gibt weiterhin zu viele Faktoren, die die Suppe versalzen könnten.

Digitalisierung dank Pandemie? Nicht wirklich.

Österreichs Wirtschaft hat in den vergangenen zwei Jahren verstärkt digitalisiert, die Pandemie als Hauptmotiv dafür nennen aber nur 37 % der Betriebe. „Der Grad der Digitalisierung ist in Österreich zuletzt gestiegen. Viele haben das offenbar aus einer intrinsischen Motivation heraus getan, weniger aufgrund einer pandemischen Notwendigkeit. Wenn dem tatsächlich so ist, dann ist das erfreulich und ein gutes Zeichen für den Wirtschaftsstandort“, erklärt Vybiral. In weiterer Folge war die Digitalisierung auch für 43 % zumindest mitentscheidend, die Corona-Krise zu meistern.

Worauf dabei jedoch recht häufig vergessen wurde, ist offenbar der Schutz vor Cyberattacken: Denn zwei Drittel der Betriebe ignorieren die reale und vor allem rasant steigende Gefahr aus dem Internet gekonnt. Demnach befassen sich 62 % der Befragten wenig bis gar nicht mit der Frage, wie sie den eigenen Betrieb in Sachen IT-Security fit bekommen. „In einer Zeit, die auch von einer massiv steigenden Zahl an Cyberattacken geprägt ist, ist diese Ignoranz nicht nachvollziehbar“, so Vybiral.

Investitionskraft ungebrochen.

Eines zeigt sich am Ende des zweiten Corona-Jahres ganz klar: Österreichs Unternehmen versuchen, sich aus der Krise herauszuinvestieren. Denn laut Austrian Business Check haben sieben von zehn Betrieben auch im Vorjahr tatkräftig investiert – 36 % davon konnten ihre Vorhaben sogar wie ursprünglich geplant umsetzen. Insbesondere in Salzburg und Vorarlberg war die Investitionsfreude groß, ebenso in den Bereichen Chemie, Pharmazie, Textil und der IT. Gleichzeitig soll sich dieser Trend heuer fortsetzen: Knapp 60 % wollen weiter investieren, 80 % davon in ähnlichem oder sogar größerem Ausmaß als zuletzt.

„Beim Thema Investitionen geht es im Moment sehr stark um den Erhalt der eigenen Wettbewerbsfähigkeit. Dabei ist es richtig und wichtig, dass sich die Unternehmen nicht in die Knie zwingen lassen, sondern weiterhin investieren“, so Wagner. Und das, obwohl das Eigenkapital zuletzt bei rund 40 % in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Unternehmen stehen für Stabilität.

Die Herangehensweise der österreichischen Bundesregierung punkto finanzieller Unterstützung der Unternehmen während der Corona-Pandemie war häufig Ausgangspunkt intensiver Diskussionen. Mit Blick auf das große Ganze lässt sich festhalten, dass Österreichs Unternehmen zuletzt recht ordentlich gewirtschaftet haben: „Ein KSV1870 Rating von durchschnittlich 352 bedeutet eine geringe Ausfallwahrscheinlichkeit und ist in Zeiten einer globalen Pandemie und eines Krieges, der die Weltwirtschaft maßgeblich beeinflusst, ein zufriedenstellendes Ergebnis“, bilanziert Wagner.

Knapp drei Viertel der heimischen Unternehmen befinden sich mit einem geringen Risiko in der Klasse 300. Insgesamt hat es während der gesamten Pandemie nur geringfügige Verschiebungen zwischen den einzelnen Klassen gegeben, was auf ein gesundes finanzielles Fundament schließen lässt.

 

Text: Markus Hinterberger
Copyright: Markus Winkler/Unsplash

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