Von traditionellen Handwerksbetrieben bis zu hoch innovativen Startups – Wien ist Heimat zahlreicher Top-Unternehmen. Viele davon sind den meisten Wienerinnen und Wienern jedoch kaum bekannt, wie zum Beispiel Blue Danube Robotics und Exomys. Beide Startups entwickeln mitten in Wien hochinnovative Produkte und sind Paradebeispiele für den Erfindergeist der Wiener Jungunternehmerszene. Mit ihren Entwicklungen haben sie bereits letztes Jahr am gemeinsamen Stand der Wirtschaftskammer Wien und der Wirtschaftsagentur Wien beim Pioneers Festival für Aufsehen gesorgt. Nun haben wir diese Hidden Heros zusammen mit Trending Topics und dem Forbes Magazin besucht, um sie und ihre Ideen vor den Vorhang zu holen und andere zu inspirieren.

Exoskellete made in Vienna

Zuerst ging es ins Wiener Startup-Zentrum WeXelerate, wo wir auf Johann Bernhardt, dem Gründer von Exomys – Augmented Humanity, trafen. Johann hat es sich zur Aufgabe gemacht, modulare Exoskelette für den industriellen Gebrauch zu entwickeln. Diese Exoskelette, die sich noch in der Prototyp-Phase befinden, unterstützen und entlasten die ArbeiterInnen während belastenden Tätigkeiten. Das schont den Körper und beugt Abnützungserscheinungen vor. Da es sich um eine rein mechanische Lösung handelt, wird das finale Produkt zudem recht kostengünstig sein.

Besonders beindruckt waren wir auch, dass Johann während des gesamten Gesprächs über ein solches Exoskelett anhatte, wir es aber nicht bemerkten. „Das Exoskellet soll einen unterstützen und nicht behindern. Dadurch wird es auch alltagstauglich, zum Beispiel für ältere Menschen. Man soll ja nicht gleich sehen, dass man auf Hilfe angewiesen ist“, so Johann. Mit diesem Gerät, das um seine Beine geschnallt war, konnte der Gründer problemlos gehen, sich hinsetzen und wieder aufstehen. Bei Bedarf wurde an einer Art Gürtelschnalle gedreht und schon konnte er sein Gewicht auf dem Skelett abstützen. Auch einen weiteren Prototyp hatte er mit dabei. Dieser erleichtert den Menschen das Tragen von schweren Dingen, wovon wir uns natürlich gleich im Selbsttest überzeugt haben.

Startup

Großzügige, aber sehr bürokratische Förderlandschaft

Johann studierte in Harvard Mechatronik, Robotik und Automatisierungstechnik und schrieb auch seine Abschlussarbeit über Exoskelette. Danach entschied er sich, sein eigenes Unternehmen zu gründen. Weil er kein kleines Rad in einem großen Unternehmen sein wollte und zudem ständig die Herausforderung sucht, so seine Beweggründe. Den Standort Wien begründet Johann mit seinem Netzwerk, das er sich hier bereits aufgebaut hatte. Auch die Förderlandschaft war ein Thema. Diese sei in Wien bzw. Österreich sehr großzügig, jedoch sieht er in der Bürokratie und Abwicklung noch Nachholbedarf. So brauchte er zum Beispiel für einen Antrag fast drei Monate – Zeit, die dann an der Weiterentwicklung des Unternehmens fehlt. Gerade für junge Unternehmen mit der fehlenden Manpower ist das eine Hürde.

Mit Exomys befindet sich Johann jedenfalls auf einem guten Weg, bald soll die Prototyp-Phase abgeschlossen sein. Sein Ziel ist auf jeden Fall eine nachhaltige Unternehmensentwicklung, weshalb er auch nichts überstürzen möchte. Diesbezüglich steht der Gründer dem aktuellen Startup-Hype selbst kritisch gegenüber. „Für viele ist das zu einem Trendwort vorkommen. Zudem haben viele auch nur das Ziel, schnell Geld zu verdienen. Doch das ist nur selten die Realität“, so Johann. Dieses Commitment zum nachhaltigen Unternehmertum finden wir natürlich besonders lobenswert. Für uns ist Exomys ein wahrer Hidden Hero der Wiener Gründerszene, das schon bald mehr von sich hören lassen wird.

Roboter, die fühlen

Danach ging die Reise weiter in den ersten Wiener Gemeindebezirk zu Blue Danube Robotics. So wie Exomys handelt es sich auch bei Blue Danube Robotics um ein Hardware-Startup, das handfeste Produkte entwickelt und herstellt. Und ebenso wie Exomys entspricht auch dieses Unternehmen unserer Definition eines Startups, das nämlich innovativ, schnell wachsend und vor allem nachhaltig aufgebaut ist.

Das Startup wurde u. a. von Dr. Walter Wohlkinger gegründet, der auch CEO des Unternehmens ist. Walter war es auch, der uns im Büro im ersten Wiener Gemeindebezirk begrüßt und sein Produkt vorgestellt hat: die Airskin. Diese Skin ist eine taktile Sensorhaut, die jeden gängigen Industrieroboter kollaborativ machen kann. Denn diese Haut nimmt jeden Kontakt sofort wahr und stoppt die Bewegung. Dadurch wird neben der höheren Sicherheit auch ein effizienterer und platzsparender Einsatz der Roboter ermöglicht. Zudem ist diese Lösung auch um einiges billiger als gängige Kamerasysteme und Lichtschrankenmodelle, die einen ähnlichen Zweck verfolgen.

Startup

Dieser innovativen Lösung gingen Jahre harter und intensiver Entwicklung voraus. Denn in der Haut ist eine eigens entwickelte Sensorik verbaut, die jede noch so kleine Luftdruckveränderung wahrnimmt. Ein leichter Druck genügt und der Roboter reagiert innerhalb von Sekundenbruchteilen und stoppt die Bewegung. Da die Haut beliebig formbar ist, kann sie an alle gängigen Roboter angepasst werden. Damit dürfte das Unternehmen ins Schwarze getroffen haben. Eine Kooperation mit einem großen Roboter-Hersteller gibt es bereits, die Anfragen steigen und auch die Mitarbeiteranzahl wächst stetig an. „Wir platzen aus allen Nähten“, so Walter zum raschen Wachstum.

Für uns ein weiteres Beispiel für großartigen Unternehmerspirit und genialen Erfindergeist. Beide Unternehmen, Exomys und Blue Danube Robotics, zeigen uns auf, wie vielfältig die Wiener Gründerszene ist und dass sich der Begriff „Startup“ nicht auf Software-produzierende Unternehmen begrenzen lässt.

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Johann und Walter für die spannenden Einblicke in deren Unternehmen.

Titelbild: Copyright by mRGB – shutterstock.com

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