Alle Plätze waren auch dieses Mal besetzt, als sich zahlreiche Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer am 6. Februar zum ersten After Work Network des Jahres in die Addicted to Rock Bar einfanden. Der Gast des Abends war Andreas Höllmüller, Gründer des ersten Verkostungslokals Wiens. „Tastery“ nennt er sein innovatives Geschäftsmodell, das vor zweieinhalb Monaten in der Schottenfeldgasse im 7. Bezirk eröffnet hat. Auf 120 Quadratmetern können Besucherinnen und Besucher bis zu 44 kulinarische Erzeugnisse kleiner, regionaler Produzenten probieren – kostenlos und selbstverständlich ohne Kaufzwang. Wodka, Hirschrohschinken, Chai Gewürztee Sirup oder Wanderheuschrecken kann man in der Tastery verkosten und kennenlernen. Die Geschmackserlebnisse können im angeschlossenen Café in gemütlicher Atmosphäre diskutiert werden. Auch vegane Mittagsmenüs werden dort angeboten.

Win-Win für Produzenten und Konsumenten

Für zwei Monate können sich Kleinunternehmer einen Ministand mieten, wo nicht nur die Produkte, sondern auch Informationen über den Hersteller bereitgestellt werden. „Bei uns steht der Geschmack im Vordergrund. Im Supermarkt stellt es oft eine Barriere dar, dass ich neue Produkte nicht probieren kann und sie deshalb doch nicht kaufe. Kosten und bewerten ist in der Tastery ausdrücklich erwünscht“, sagte Andreas Höllmüller. Neben dem gesamten Verkaufserlös bekommen die Produzenten zudem die Ergebnisse der hauseigenen Marktforschung. So erhalten die Unternehmer eine unmittelbare Rückmeldung ihrer Kunden. Am Verkauf der Produkte verdient Andreas Höllmüller nichts, lediglich an der Miete, die je nach Package zwischen 300 und 600 Euro rangiert. Durch den Warenverkauf können meist 50% refinanziert werden.

AWN Februar Höllmüller

„Man muss einen Vogel haben!“

Das Konzept kommt bislang sehr gut an, der gelernte Koch/Kellner und studierte Marketingprofi freut sich über Vollauslastung. Doch der Weg dorthin war steinig und wird es wohl auch noch eine Weile bleiben, erzählte er. „Generell muss man einen Vogel haben, um sich selbstständig zu machen“, gestand der junge Selbstständige den anwesenden UnternehmerkollegInnen – „vor allem, wenn man Pionierarbeit leistet und etwas Neues etablieren möchte – das mögen Behörden gar nicht!“ Doch das solle bloß niemanden vom Gründen abhalten. „Denkt nicht zu viel nach und macht einfach. Wer die Dinge zerdenkt, macht sie nicht. Die ersten Zahlen eines jungen Unternehmens sehen leider immer schlecht aus, das Unternehmertum wird einem wirklich nicht leichtgemacht“, so Höllmüller. Anstrengende Behördenwege, komplizierte Förderanträge und die Suche nach dem richtigen Geschäftslokal hätten ihm bislang schon viel Zeit und Nerven gekostet. Bis zur Entscheidung, sein neues Lokal als Handel einzustufen, brauchten die Behörden ein dreiviertel Jahr. Er rät zu einem einkalkulierten Reservepolster, der über schlechte Monate hinwegrettet. Und einem großzügigen Werbe- und PR-Budget – denn dank zahlreicher Presseberichte rennt der Laden und der junge Unternehmer konnte einen optimalen Start hinlegen.

Wie viel Zeit das neue Business momentan in Anspruch nimmt, stellte Andreas Höllmüller gleich unter Beweis, als er sich leider schon früh verabschieden musste – um für die Tastery weiterzuarbeiten. Die Unternehmerkolleginnen und –kollegen, die sich eine kleine Auszeit leisten konnten, netzwerkten munter weiter und knüpften neue Kontakte. Die nächste Gelegenheit dazu gibt es bereits am 6. März bei unserem nächsten AWN! Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen!

Fotos vom After Work Network findet ihr hier. (© Adrian Almasan)

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